Posts published during March, 2010

Die Erwachsenen hatten damals ernste Bedenken, dass wir Kinder Spätfolgen davontragen würden, wenn wir den ganzen Tag “Balla, balla” hören, später dann ergänzt um “Yummy, yummi, yummy”, “hippy hippy shake” und “wooly booly”. Aber die menschliche Natur ist weit stabiler als die Vorstellung der Pädagogen das zulässt, ich selbst zum Beispiel bin ohne alle Spätfolgen davongekommen. Für die Erwachsenen war das Ganze völlig unerklärlich, wir Kinder verstanden es sofort: das hier war das Ende des Mittelalters, der brummelnden Nazis und der geistlosen Konfessionskämpfe. Denn das war diesen Reaktionären sofort klar: egal was mit diesem balla balla gemeint war, es hatte das Davon schwimmen ihrer Felle zur Folge. Und man konnte noch etwas anderes heraushören, wenn man aufpasste : den Wunsch nach einer klassenlosen Gesellschaft, ein Verdacht, der sich kurz darauf bestätigen sollte. Irgendwie fanden die Leute, etwas anderes komme ja gar nicht in Frage, wenn demnächst zur Mondlandung angesetzt wird. Ein Zusammenhang, der so nicht im Geringsten existiert, aber man wollte es eben so und nicht anders sehen.

Stets ist die Aussicht auf Klassenlosigkeit von großer Begeisterung begleitet , deren Vertonung zwar gelang, jedoch standen passende Texte nicht zur Verfügung, und um in Lächerlichkeit endende Versuche zu vermeiden, entschied man sich eben für “balla balla”. Um nicht ganz grundlos daher zukommen, wurde die Begeisterung auf ein in diesem Singzusammenhang eigentlich überflüssiges und höchsten als Zugabe erforderliches Baby projiziert. Ich will ja die Parallele nicht über strapazieren, aber was ist eine Fußball-WM anderes, als das Versprechen einer zeitweisen
Klassenlosigkeit ? Müller hat nichts, kann nichts, ist nichts. Aber wenn sein Team Weltmeister wird, hat er die Chance, dass dies für ein paar Tage in den Hintergrund tritt und er ohne Ansehen der Person der Herr Müller ist. Und da, in diesem Moment taucht das alte Fossil von 1964 wieder auf. Das scheint mit zusammen zu gehören. Gut das es doch noch alternative Medizin gibt.